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Ps0ke

Φίλιππος Στέφανος

Nocturnal Inclination

Nerdkram, Internethumor und der ganzen Rest.

Die Seminararbeit mit LaTeX

So jetzt ist es auch bei mir soweit: Die Seminararbeit (ehemalig Facharbeit) ist abgegeben. Mein Thema war im Bereich Lebensmittelchemie angesiedelt und das Thema lautetet: "Die Analyse des Mononatriumglutamatgehalts in Tomatenprodukten", also die Untersuchung des Gehalts eines Geschmacksverstärkers in Tomatensuppen. Wen das interessiert, der kann sie hier lesen. In diesem Blogpost soll es aber eher um den Entstehungsprozess gehen.

Das Besondere an eben jenem ist nämlich, dass die Arbeit nicht wie bei den meisten meiner Mitschüler*innen in Microsoft Offices Word oder Open-/Libre-Namensverwirrungsoffices Writer oder gar Apple iWorks Pages geschrieben, sondern mit dem professionellen LaTeX (sprich: latech) Satzsystem erzeugt wurde. Damit bin ich zwar nicht allein--Ro0mquy, Fabian, duzeful, Araxegon und Norbert haben ebenfalls "geTeXt", Alexander wird es bestimmt auch tun--allerdings doch deutlich in der Minderheit. Warum? Weil LaTeX kein Textverarbeitungsprogramm ist, sondern enie Auszeichnungssprache und ein Satzprogramm. Zur Formatierung markiert man nicht ein Wort und klickt auf "Fett", sondern man schreibt die Auszeichnung direkt in den "Code": \textbf{Wort}. Bilder werden nicht nicht per drag-n-drop in das Dokument gezogen, sondern mit

\begin{figure}
    \includegraphics{bild}
    \caption{Eine Bildunterschrift}
\end{figure}

eingebunden. Das sieht auf den ersten Blick sehr kompliziert aus, doch mir liegt dies Art zu arbeiten viel eher, als mit Word oder seinen Kumpanen. Ich kann meinen Lieblingseditor verwenden, den Text in verschiedene Dateien unterteilen, also modularisieren und das ganze sogar mit git verwalten. Ich kann überall, und wenn ich auch nur eine Kommandozeile mit nano oder vim habe schnell Änderungen vornehmen und binde mich nicht an ein properitäres Dateiformat, oder eines, bei dem ich eine riesige GUI-Software starten muss um es lesen. Noch dazu sieht es einfach verdammt gut aus und erfüllt höchste typographische Ansprüche.

Der wichtigste Aspekt war allerdings für mich, dass sich LaTeX hervorragend für das Schreiben naturwissenschaftlicher Arbeiten eignet. Der Formelsatz ist exzellent, die Verwaltung der Bibliographie funktioniert mit BibTeX unkompliziert und zuverlässig und man kann sogar mit den entsprechenden Paketen chemische Strukturformeln erzeugen.

Natürlich ist es viel Arbeit, da man sich--hat man sich vorher noch nicht mit LaTeX auseinandergesetzt--erst einmal an die doch etwas befremdliche Syntax gewöhnen muss. Doch ich persönlich glaube, dass ich, um den gleichen Grad an Perfektion zu erreichen, in Word o.Ä. länger gebraucht hätte. Da LaTeX seit den Siebziegern existiert und von Wissenschaftlern rund um die Welt eigesetzt wird, ist so gut wie jedes Problem bereits aufgetreten und gelöst worden. Wenn man sich mit LaTeX beschäftigt, kann ich einem nur das Wikibook und tex.stackexchange empfehlen, dort finden man Antworten auf fast alle Fragen. CTAN eignet sich hervorragend, um Dokumentation zu Paketen nachzuschlagen. Für diejenigen, die ebenfalls vorhaben, ihre Arbeit in LaTeX zu schreiben, möchte ich hier jetzt noch einige Empfehlungen abgeben.

Zum einen hätten wir da das Paket csquotes, das euch, neben einer Reihe weiterer Befehlen, \enquote{foo} zur Verfügung stellt. Damit könnt ihr ganz einfach Anführungszeichen setzen und erspart euch die nervige ,,foo'' Syntax. Die Anführungszeichen werden dann für euer jeweiliges babel-Setting korrekt eingefügt.

Eine weitere Erleichterung ist das siunitx Paket. Mit ihm setzt ihr korrekt Einheiten, wie z.B. \SI{23}{\milli\gram\per\litre}. Es bietet umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten und erweiterte Funktionen um beispielsweise Zahlenbereiche oder Listen zu formatieren oder sogar automatisch zu runden.

Die Pakete tabularx, multirow und caption erweitern den Tabellensatz um nützliche Features und booktabs sorgt dafür, dass eure Tabellen wunderschön und professionell aussehen. Weiteres dazu im Wikibook.

Wer seine Arbeit im Bereich Chemie schreibt, für den werden die Pakete chemfig und mhchem zum Erzeugen von komplexen Strukturformelgleichungen und einfachen Formatieren von Summenformeln interessant sein. Sämtliche chemischen Abbildungen in meiner Arbeit sind mit chemfig gebaut. Es ist zwar auch eine Menge Arbeit, allerdings kann man so mit einem Textediror Änderungen einarbeiten und muss keine Graphiksoftware starten oder sich Monster wie [ChemSektch] zulegen. Wer jedoch häufig etwas in diesem Bereich zu Zeichnen hat, und sich mit graphischer Software auskennt, wird damit jedoch bestimmt glücklicher, da die chemfig-Syntax schnell sehr unübersichtlich werden kann.

Wer noch weitere nützliche Pakete sucht und sich generell mal die Struktur einer größeren Arbeit ansehen will, kann hier meine LaTeX-Quelldateien herunterladen. Das ganze steht unter Beerware-Lizenz (Verwende es und wenn es dir hilft, lass uns zusammen ein Bier--oder was anderes--trinken gehen). Dort finden sich auch sinnvolle Einstellungen für die obengenannten Pakete, ein Beispiel für die Strukturierung mit mehreren Dateien und die intensive Verwendung von chemfig zum malen von Chemieformeln.

Wer auch am Deutschhaus ist, und die Formatforlage für das Deckblatt und die Unabhängigkeitserklärung braucht, findet die von mir hier (v.1.1.0). Informationen zur Verwendung stehen im Readme.

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal bei allen bedanken, die mir bei der Arbeit geholfen haben. Allen voran Dr. Markus Krischke vom Julius-von-Sachs-Institut für seine Hilfe bei den Probenmessungen, dann natürlich Christian Lorey vom Schülerlabor des FKG für seine umfangreiche Hilfe bei der Arbeit und die Bereitstellung des Labors, und auch Dr. Alfons Ledermann von der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Uni Würzburg für das bereitwillige Korrekturlesen. Ein riesen Dankeschön bekommt natürlich noch mal Ro0mquy für die Hilfe mit chemfig; ohne ihn hätte ich mich endlos durch die Doku graben müssen. Ebenso danke ich petschge und urs und den andern aus #geeks für die Bereitstellung ihrer LaTeX-Templates und Hilfe bei Formatierungsproblemen.

Ich hab noch ein bisschen Statistik für die Nerds unter euch: Es sind 31 Seiten, 5 Kapitel, < 5697 Wörter (detex wirft noch ein paar Sachen raus, die nicht wirklich Wörter sind), das PDF ist 8,8MB groß, es sind 20 Abbildungen enthalten, 2 Tabellen und 3 Formeln. Aus meinem Git Repo kann ich außerdem noch entnehmen: Age: 76 days, 23 active days (30.26%); Total Files: 21; Total Lines of Code: 3087 (4067 added, 980 removed); Total Commits: 78 (average 3.4 commits per active day, 1.0 per all days). Ich hätte da noch einige Aktivitätsgraphen, die aber total unaussagekräftig sind (wie alle Werte aus Git hier), da da Bilder auch mit reingereichnet werden, und ein Absatz nur eine Zeile ist, eine Abbildung jedoch mindestens 5 Zeilen. Außerdem ist meine Commit-Policy nicht immer Einheitlich. Mal hab ich einen Commit nach einem ganzen Kapitel gemacht, mal nach ein paar kleinen Änderungen. Generell lässt sich jedoch sagen: Die Anzahl der Commits pro Tag und der hinzugefügten Zeilen nimmt mit veringertem Abstand zum Abgabetermin immer weiter zu. Außerdem hab ich vor allem zwischen 18 und 1 Uhr morgens committet. (Git Statistik von gitstat)

Die Software die zum Einsatz gekommen ist war: TextMate und Vim zur Text bearbeitung; Adobe Photoshop, Inkscape und graphix.sty zur Bildbearbeitung; Excalibur zum Auswerten von Spektren, Microsoft Word for Mac zum Betrachten der Formatvorlagen und zum exportieren der Excaliburdateien nach PDF m(; MacTeX 2012 als TeXLive Distribution, Latexmk.pl zum automatisierten Kompilieren; und natürlich git zur Versionskontrolle und iTerm2 als Terminalemulator; für die Präsentation werde ich Apple Keynote verwenden. Die Hardware zum Bilder machen waren: Nikon Coolpix P5000 und die Kamera des iPhone 3GS.