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Ps0ke

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Nocturnal Inclination

Nerdkram, Internethumor und der ganzen Rest.

Abiturrede Deutschhaus 2013

Die Abirede des DHG vom Freitag, 28. Juni 2013 wurde von Benjamin Fuchs und mit verfasst. Ich veröffentliche sie hier unter CC-BY. Kursiv gedrucktes wird jeweils von der Person eingeworfen, welche nicht gerade am sprechen ist. Fettgedrucktes wird im Chor gesprochen.

Benny:

Sehr geehrte Damen und Herren,
dies ist eine sehr schöne und professionelle Abiturrede und wie jede sehr schöne und sehr professionelle Abiturrede beginnt auch diese mit einem Zitat aus einem Volkslied. Ich beginne:
"Kommt ein Vogel gefolgen setzt sich nieder auf mein Fuß, hat ne Nachricht im Schnabel von der Mutter einen Gruß!" Nun ist in unserem Fall der Vogel kein klassisches Wirbeltier, wie wir es aus im Biologieunterricht der 6. Klasse gelernt haben, sondern unsere allseits geschätzte Schulleitung des Deutschhaus Gymnasiums, welche am heutigen Tag in der Funktion des "Übermittlers" der guten Nachrichten auftritt, die angesprochene Mutter ist zwar nicht unsere Erzeugerin, meint aber trotzdem seit Jahren dass sie alleine weiß, was das Beste für uns Schüler ist, meist kritikresisetent und kocht im Gespräch miteinander sprachlich immer den gleichen politischen Einheitsbrei. Sie hält es für besonders witzig unsere Lehrpläne mit schlauen und äußerst tollen und hilfreichen sachen zu schmücken wie:
Methoden-Kompetenz, Medien-Kompetenz, Handlungs-Kompetenz, Sozial-Kompetenz, Human-Kompetenz, Kritik-Kompetenz, mentale Kompetenz, Frage-Kompetenz, Orientierungs-Kompetenz, Strukturierungs-Kompetenz, Analyse-Kompetenz, Urteils-Kompetenz, De-Konstruktions-Kompetenz, Re-Konstruktions-Kompetenz, Narrative Kompetenz, Personal- und Selbst-Kompetenz....(wir sind ja mittlerweile so kompetent, dass wir eigentlich garnicht mehr studieren brauchen!) wer könnte die Mutter also anderes sein als unser Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus. und die Nachricht ist vielmehr ein Zeugniss, ein Zeugniss von jahrelangem Lernen, schuften, beißen, rackern, schwitzen, ein Zeugniss von Tränen und Freude, Bergen und Tälern, vollendet in einer nervenaufreibenden aber auch befreiendem letzten Prüfung, mit der wir uns an dieser Stelle einen donnernden Applaus verdient haben: Unserem Abitur!

Philipp:

Im September 2005 war es für soweit, die Einstiegszeremonie der Einschulung fand in der Deutschhauskriche statt. Diejenigen, die acht Jahre hier verbracht haben bekamen dort ein kleines Geschenk überreicht, das mit einer Geschichte verknüpft war. Wir alle bekamen ein kleines Schräubchen geschenkt. Alle zusammen würden wir das große Kreuzfahrtschiff "MS DHG" zusammen halten. Jedes noch so kleine Schräubchen wurde gebraucht, jedes war wichtig.
Nun also angetreten um die Welt zu erobern (oder zumindest um das Abitur zu schaffen), betraten 145 aus den städtischen oder im landkreis ansässigen Grundschulen geflohene Knirpse, das damals noch im Umbau befindliche bildungsinstitutionelle Monstrum. Die Scheuklappen wurden nach einem wunderbaren Empfang sogleich abgelegt, denn in diesem zeigte das DHG seine kreativen Talente mit Hilfe von kleinen bunten Buttons mit der Aufschrift "Ich bin ein DHG'ler" und seinen überaus ausgeprägten Humor mittels urkomischen bunten Hüten für die Tutoren! Die allerletzte Unsicherheit verflog und das Bewusstseins des Angekommensein in der Deutschhaus Familie trat auf als die ersten Klänge Frau Brandls auf dem Klavier erklangen. Gemeinsam mit dieser musikalischen Ikone und liebenswerten Musiklehrerin studierte man damals die hauseigene "Schulhymne" ein. Ein äußerst markanter Text und eine überaus eingängige Melodie sorgten hier für ein sofort aufkeimendes Zusammengehörigkeitsgefühl und eine ausgelassene Stimmung: "Wir sind die Gymnasiasten, wir vom DHG. D - H - G, D -H -G". An dieser Hymne ist ein großer Vorteil unseres Schulnamens zu erkennen, wie Frau Brandl immer betonte: Die Abkürzung DHG lässt sich singen. und so wurde je nach Stimmlage das D, H, und G in allen Oktaven rauf und runter geträllert. Der Pausengong hat sich übrigens immer noch nicht verändert!
Nun sind aus den Schräubchen in den vergangenen acht Jahren Schrauben geworden. Starke Schrauben, kluge Schrauben oder zumindest zähe Schrauben. Es sind genug Schräubchen nachgekommen, sodass das Schiff auch ohne uns zusammen hält. Nun heißt es andere Schiffe zu stützen. Alle hier werden auf die ein oder andere Weise ihren Beitrag Leisten. Ob man nun auf einem großen Frachter anheuert, sich sein eigenes Segelboot zimmert oder doch lieber in Reederei bleibt. Wir werden jetzt aufs Meehr hinaus gelassen und können selbst bestimmen, wohin die Reise geht. Abitur, so haben wir nämlich im Lateinunterricht gelernt, bedeutet schließlich "weggehen, davon gehen". Doch soll hier niemand davonrennen müssen! Dennoch heißt es Abschied nehmen -- aber es bedeutet auch einen Neuanfang. Viele werden nun wohl Studieren und dort mit dem weiter machen, was hier begonnen wurde: Den Grundstein zu legen für das ganze Leben!

Benny:

Bevor es hier noch zu pathetisch wird, zurück zu den Fakten:
Generell war unsere Stufe Zeiten des Wandels "ausgesetzt". Kaum eine andere Stufe durfte soviel Neues und Änderungen erleben wie die unsere. Ob der Unttericht im alten Gebäude und langweilige Mittagspausen in der improvisierten kleinen Aula oder mit Herrn Hackl und Herrn Bauer zwei Direktoren, die auf ihre ganz unterschiedlichen Art und Weisen das Schulleben am DHG prägten und auch heute noch prägen. Desweiteren wird in Form eines Meilensteines unserer Schulgeschichte unser Jahrgang im Gedächtnis bleiben. Aus unseren Reihen ging der erste Jahrgang der neugegründeten und so vielleicht sogar deutschlandweiten einzigartigen Einrichtung hervor, der Sportklasse. Basketballer, Ruderer und kurze Zeit später noch ein ganz besonderer Schwimmer versuchten hier ein Modell zu schaffen um Leistungssport und Schule verbinden zu können. Ein eher trauriger Part des Wandels ist derjenige, dass im Laufe der Jahre, in denen wir die Schule besuchten nach und nach immer mehr die "Urgesteine" aufjedenfall aber sehr gute und besondere Lehrer die Schule verließen, so dass man sich heutzutage oftmals in Gedanken erwischt, dass man 80% des Lehrerkollegiums überhaupt nicht kennt.

Philipp:

An dieser Stelle ein großes Danke und Erinnerung an Lehrer wie: Frau Placht, vorhin genannte Frau Brandl, die Herren Fuchslocher, Bestvater, Krimmer, Faber, Pickel, Köhler, Mangold, Christoph und viele mehr.

Seit dem Jahr 1978 wird jedes Jahr von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden das Wort und Unwort des Jahres gekürt, 2011 beispielsweise "Stresstest" als Wort und "Döner-Morde" als Unwort des Jahres. Diese Worte werden ausgewählt, wenn sie für wichtige Themen stehen, eine öffentliche Debatte anstoßen oder für etwas charakterisierend sind. Nun haben wir uns auch mal den Spaß erlaubt, Wort und Unwort des Jahres für das DHG zu küren.
Stolz vermelden wir, dass unser Expertengremium sich dazu entschieden hat, das wunderbare Wort "Organisation" zum Wort des Jahres zu küren. Allzu oft hört man nämlich von Freunden an anderen Schulen, dass sie manchmal bis zu 4 mal die Woche bis in die Abendstunden in der Schule malochen und schwitzen müssen. Bei uns ist das nicht so! Zu Beginn der zwei Jahre fiel einmal die Bemerkung, wir hätten den besten Stundenplan Deutschlands. Ein sehr plakativer und provokanter Ausspruch, doch man muss sagen, er stimmt! Das alles ist besonders verbunden mit dem Namen Roland Händle, dem man an dieser Stelle sehr danken muss. Generell war die Organisation vom Oberstufenbüro hervorragend, Herr Mallad tat hier auch einen herrausragenden Job. Nicht nur die verwaltaltungstechnischen Leistungen sind hier zu würdigen, sondern auch die Tatsache, dass man bei Vollversammlungen in den letzten zwei Jahren nicht mit Moralpredigten, Anklageschriften oder Horrorszenarien zugeklatscht wurde, sondern die anstehenden Dinge stets kurz, knapp und präzise ohne jede persönliche Einmischung rübergebracht wurde.

Benny:

And the winner for the "Unwort des Jahres" iiiiiiiiiis: "Außenwirkung". Egal was man tat oder tut an dieser Schule, es kommt immer das Totschlagargument Außenwirkung. Nichts passt hier besser rein, als unser wunderbares digitales schwarzes Brett oder einfach unser Vertretungsplan. Groß, flach, glänzend schmückt er unseren Eingangsbereich und nimmt täglich Schüler, Lehrer und Besucher in Empfang. Gerade bei Veranstaltungen wie "DHG stellt sich vor" erhofft sich unsere Schule einen Sympathiebonus durch seine außergewöhnlich inovativen und modernen Vertretungsplan. Da hört man schon Dinge wie: "woooooooooooooooooooooooooow, die Schule hat ja nen Fernseeeeeeeeeeeher als Vertretungsplan, woooooooooooooooooow! Ich weiß zwar nicht was daran besser ist als das Altmodische System aber wooooooow!"

Durch das G8 wird die Schule zum Wohnzimmer der jugendlichen. Die Schule wird zu einem Ort in der nicht nur das Lernen wichtig ist, sondern die gesamte Atmosphäre. Goethe schreibt in Faust: "Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein". Das sollte auch das Motto für eine Schule sein, die mit den Herausforderungen von G8, Nachmittagsunterricht und Ganztagesklassen zu kämpfen hat. Und auch für eine Schule die sich für etwas hält wie die unsere. Da passen Handyverbot, Essensverbot in manchen Bereichen der Schule, Verbot in der zweiten Pause zum Lehrerzimmer zu gehen (Lehrerpause), Verbot von Gestaltung des Schulhauses, Verbot von umstellen von Tischen und Bänken (vor allem die hinter der Schule), Verbot von Trinken im Unterricht, die sterile Krankenhaus Atmosphäre, die Oberstufenzimmerproblematik und und und nicht dazu. Vielleicht wollte man auch dem "Deutsch" im Schulnamen in dieser Hinsicht gerecht werden. Man muss allerdings ehrlicherweise zugeben, die Beziehung zu unserer geliebten Schule war doch immer eine "Hassliebe". Irgendwas zum nörgeln hatten wir immer, irgendetwas hat immer genervt, irgendetwas war immer da über das man sich hervorragend aufregen konnte. Aber es war eben doch so, dass man sich nie im Leben hätte vorstellen können zu einer anderen Schule zu gehen. Denn man muss auch sagen, die Unterstützung, sei es beim Sport durch Unterrichtsefreiungen oder finanzielle, organisatorische Mittel, sei es bei Theater und Musikveranstaltungen, die in den letzten Jahren mit Produktionen im Bockshorn oder auch den Musicals und Konzerten im Schulhaus zu leuchtenden Sternen am Deutschhausfirmament wurden, oder sei es bei nötigen Zusatzstunden in schwachen Fächern, wirklich hervorragend war. PS: Da wir es von Außendarstellung hatten, und ich die Möglichkeit hatte, in jeglichen Kühlschrank unserer Schule ob im Lehrerzimmer oder der Lehrerumkleide, Einblick zu haben, so lässt sich doch vermuten, dass unser Lehrerkollegium ein verzweifeltes Völkchen sein muss. Oder um es mit Wilhelm Busch zu sagen: "Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!"

Philipp:

So was haben wir jetzt?
Politik? Check
Schule? Check
Was fehlt uns? Riiiichtig die Schüler

Benny:

"Dummheit Hat Gesiegt" (wahnsinnig kreativ) stand als unser Slogan auf unseren Abitur T-Shirts, oder um es mit Heinrich Heine zu sagen: "Kein Talent, aber Charakter". Jedoch erscheint dieser Spruch als entweder höchst platt oder als höchst bescheiden und bodenständig in Anbetracht der Tatsache dass unser Abiturschnitt den bayernweiten nochmals um 0,3 Notenpunkte unterbietet!

Philipp:

Also den Idioten, der sich diesen Slogan ausgedacht hat, sollte ich mir nochmal persönlich vorknüpfen. Veni vidi vici, ich kam, ich sah, ich siegte, wir kamen an die Schule, wir sahen was wir tun mussten, und wir haben unser Abitur "gewonnen". Doch ist das alles was man mit nimmt aus dieser Zeit, oder gibt es noch andere Dinge die wir in den letzten 8 Jahren gewonnen haben? Wir haben neue Freunde gewonnen, in Kursen, auf den Abifahrten im täglichen Umgang miteinander, wir haben Erfahrungen für das Leben gewonnen ohne Frage, die wichtigste denke ich, dass man im Leben alles erreichen und schaffen kann, wenn man nur an sich glaubt und hart genug für seine Ziele arbeitet. Wenn ich bei Freunden sehe, die nach 4en und 5en in den letzten Jahren plötzlich 13 Punkte im Matheabitur schreiben, gehe ich konform mit Franz von Assisi der sagte: "Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche."

Eine besondere Erfahrung durften wir auch noch dazu gewinnen in den letzten zwei Jahren: "Lehrer sind auch nur Menschen".

Benny:

Was jahrelang nie für möglich gehalten wurde, entpuppte sich als harter Fakt: Lehrer, diese Wesen, die immer böse waren ohne Herz für die Schüler und immer nur einem was reindrücken wollten erschienen plötzlich in einem anderen Licht. Gerade in der Zeit nach dem die Prüfungen endlich rum waren, aber auch schon in der intensiven Abiturvorbereitung in Kleingruppen entstand oft genug eine sehr menschliche Arbeitsatmosphäre. Die absolute Menschlichkeit wurde dann schlussendlich bei gemeinsamen Seminararbeiten oder privaten Treffen im Beisein der ein oder anderen Flasche Gerstensaft, von der qualifizierten Schülerschaft diagnostiziert!

Ein Buch welches mir vor ca 15 Jahren zum Lesen verholfen hat war das wunderbare Kinderbuch "die kleine Raupe Nimmersatt". Nun möchte ich ein Kapitel aus einer neuen selbtsverfassten Fassung vorlesen. Diese Fassung trägt einen Titel, der symbolisch steht für das Leid mancher Lehrer mit uns in den letzten zwei Jahren. Es heißt: „ der kleine Schüler Immerplatt“. Das Kapitel ist das letzte und spiegelt den Sonnabend der kleinen Raupe wieder, unsere Zeit in der 12. Klasse. Einen Moment ich brauch dazu meine Erzählerstimme.

Am Sonnabend aß/quälte er sich durch eine Seminararbeit, zig Klausuren, mehreren Referaten, einige Tests, Exen, auswendig gelernte Gedichte, Projekttage, einen Lateinvortrag eines externen Dozenten, und einigen durchgezechten Shuttle-Party-Nächten. Am Ende des Tages hatte er Bauchschmerzen. Der nächste Tag war wieder ein Sonntag Am nächsten Tag aß er sich durch seine 5 Abiturprüfungen, danach ging es ihm schon viiiiiiiiiiiiiel besser - dem kleinen Schüler Immerplatt. Er war nun nicht mehr müde, er war nicht mehr platt. Und er war auch nicht mehr klein. Er war vom Abistress groß und dick geworden. Er zog sich in seine Welt zurück, die man Chillen nennt und blieb darin mehr als zwei Wochen lang. Dann knabberte er sich aus Versehen ein Loch in seinen alten Konfirmations- oder Firmunsanzug. Zwängte sich in einen neuen schönen Anzug uuuuuuuuuuuuund........... war ein wuuuuunderschöner Abiturient!

.....und wenn ich mich hier so umschaue! (Thumbs up)

Philipp: Nun kommen wir auch mal zu einem Ende, das ganze pathetische, hochphilosophische, sentimental und rührende Kitschgelaber wollen wir euch ersparen.

Benny: Dennoch hoffen wir dass wir die "MS DHG" nicht mit einer lockeren Schraube zurücklassen werden und wir zwei glauben fest an uns alle, dass jeder einzelne von uns seinen guten und richtigen Weg gehen wird.

Philipp: Die Zeit wird es zeigen! denn wie der alte chinesische Denker Laozi sagte:

Benny: Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling.

Beide: Vielen Dank!